Die Taguanuss, aufgrund ihrer Härte auch als Steinnuss bezeichnet, ist der Samen der bis zu sieben Meter hohen Palme Phytelephas macrocarpa, die in den warmen Feuchtgebieten Ecuadors, Kolumbiens und Panama beheimatet ist. Aufgrund ihrer Konsistenz und ihres cremeweißen Farbtons bekannt als pflanzliches Elfenbein, wurde die Taguanuss traditionell zur Herstellung von Kämmen, Knöpfen und Kunsthandwerk genutzt. Verdrängt durch den Werkstoff Plastik geriet sie fast in Vergessenheit.
Dabei ist sie ein außergewöhnlicher natürlicher Werkstoff: einerseits ungewöhlich hart wie Stein (oder eben Elfenbein), überrascht andererseits das leichte Gewicht und seine anschmiegsame warme Struktur, die die Taguanuss angenehm auf der Haut tragen lässt. Es ist ein Material, welches den kolumbianischen Kunsthandwerkern, von denen wir unseren Schmuck beziehen, viel Gestaltungsfreiheit ermöglicht. Nach mehrmonatigem Trocknen werden aus den Nüssen in vielen Arbeitsschritten die Schmuckelemente hergestellt: Die Taguanüsse werden geschält, in Form gesägt, mehrmals geschliffen und poliert, gefärbt und schließlich zu phantasievollen Ketten, Armbändern und Ohrringen arrangiert. Am Ende entsteht ein einzigartiges Schmuckstück, das Freude und Natürlichkeit ausstrahlt. Beim Färben kommen unbedenkliche Textilfarben aus der Schweiz zum Einsatz, welche die einzigartige Maserung der Taguanuss zur Geltung bringen.
Die Taguapalmen werden nicht kultiviert, sondern wachsen in unwegsamen Regenwaldgebieten. Nach 20 Jahren trägt die Palme erste Fruchtstände, die bis zu 12 kg schwer werden können. Diese fallen nach 6-12 Monaten Reifung ab und werden dann vom Boden aufgesammelt. Die Fruchtstände haben eine stachelige Außenschale und sind in Kammern gegliedert, in welchen sich die einzelnen Nüsse befinden. Die Nüsse werden aus dem stacheligen Kolben geklopft und ausgehoben. Mit Booten erfolgt der Transport durch die unwegsame Region. Eine Palme kann bis zu 2000 kg Taguanüsse tragen!
Im frühen Reifestadium besteht das Innere der Nuss aus einer milchigen Flüssigkeit. Erst wenn die Palme die Fruchtstände abwirft, sind die Nüsse reif und können nach mehreren Monaten zusätzlicher Trocknung weiterverarbeitet werden. Tagua härtet innerhalb von drei Jahren nach und kann so hart wie Stein werden. Während des Härtens entstehen im Inneren der Nuss kleine Schwundrisse, die auch im fertigen Schmuckstück sichtbar sind. Dies ist kein Produktmangel, sondern unterstreicht die Natürlichkeit des Materials.
Die Verwendung zur Schmuckherstellung sichert vielen Menschen, die von der Taguasammlung und Verarbeitung leben, ihre Einkommensquelle bzw. die wirtschaftliche Grundlage ihrer Familien. Bei der Sammlung der Taguanüsse bleibt die Palme unversehrt und wird für die nachwachsende Ernte besonders gepflegt. Da die Taguapalme nur wild wachsend in den tropischen Regenwäldern vorkommt, trägt diese Form der nachhaltigen Nutzung dazu bei, dass die ansässige Bevölkerung die Natur und ihre Ressourcen wertschätzt und sich für den Schutz ihrer intakten Umwelt einsetzt.



