Der Süd-Nord-Forum e. V. ist der ehemalige Trägerverein und heutige Gesellschafter des Weltladen Gerberau und ist somit die Seele des Weltladens in der Gerberau.

1976 gründeten ehemalige EntwicklungshelferInnen den Verein mit dem Ziel, in Freiburg über die Situation in den sogenannten Entwicklungsländern zu informieren.
„Die Vorstellung, dass man mit den Dritte-Weltläden den Welthandel auf den richtigen Weg bringen könnte, ging in vielen Köpfen um. Es war die Zeit, wo die Ideen der 68er mehr und mehr unters Volk kamen …“, so Anni und Manfred Wagner, Wegbereiter des Weltladens der ersten Stunde.
Auch der Mitbegründer Hans-Drolshagen erinnert sich: Das Süd-Nord-Forum, dieser Name ist das Ergebnis schier endloser Debatten, war uns Dritte-Welt-Bewegten ein Hort des Engagements, vieler hitziger, nächtlicher Streitgespräche, samstäglichen Verkaufens von Guatemala-Textilien auf dem Münsterplatz, freundschaftlicher feucht-fröhlicher Wochenenden und noch mehr gemeinsam verbrachter Aktions- und Freizeit.

Die Gruppe des Süd-Nord-Forums existiert bereits seit Ende der 60 Jahre, der Süd-Nord-Laden wurde aber erst einige Jahre später eröffnet – zunächst am Friedrichring und 1979 dann in der Fischerau. Die Badische Zeitung schreibt im April 1977: „3. Welt-Läden schießen wie Pilze aus dem Boden.“ Dabei steht in den Anfängen der Verkauf von Waren nicht maßgeblich im Vordergrund. Informieren wollen die Engagierten, Informationsblätter herausgeben, Gespräche suchen und Debatten anleiern, den gutbürgerlichen Lebensstil in Frage stellen und auffordern, den Blick über den Tellerrand gleiten zu lassen – „Ein Stachel im Fleisch der Gewohnheit zu sein“.

Entgegen vieler Erwartungen ist es vor allem der Verkauf fair gehandelter Waren, zunächst nur als symbolischer Akt gehandelt, der große Nachfrage in der Bevölkerung erfährt und sich somit rasch etablieren kann. Handel und Bildungsarbeit schließen sich jedoch nicht aus und bilden vielmehr eine Symbiose. Anhand eines konkreten Verkaufsproduktes lässt sich der Zusammenhang zwischen Armut, Raubbau und Ausbeutung im „Globalen Süden“ und den Konsumgewohnheiten sowie Handel Handelspraktiken der Industrieländer besonders gut vermitteln. Es geht zwar einerseits um existenzsichernde Preise für die ProduzentInnen, anderseits soll mit jedem verkauften Produkt ein Transfer von Informationen an die Endkunden stattfinden. Zusätzliche entwicklungspolitische Bildungsarbeit wurde neben dem Ladenbetrieb weiterhin in Form von Publikationen, Schulklassenführungen und politischen Aktionen betrieben.

Sein Gesicht hat „der Laden“ in den letzten 40 Jahren gründlich verändert, er ist zum Weltladen Gerberau in der gleichnamigen Straße geworden. Nicht nur die Räumlichkeiten sind durch den Umzug von der Fischerau in die Gerberau größer geworden, sondern auch das Angebot und Sortiment. Rund 60 Mitarbeiter sind es mittlerweile, die den Laden am Laufen halten. Doch das Ziel ist geblieben: Einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Nein zu sagen, ein Stachel im Fleisch der Gewohnheit zu sein und Ja zu sagen, zu neuen gerechten Wegen.